Gruft in der Lambertikirche

Die Grafensuche geht weiter

Liegt in einer Oldenburger Kirche der Sarg mit einem niederländischen Freiheitskämpfer? Das soll jetzt eine DNA-Probe klären.

In diesem Sarg könnte ein niederländischer Freiheitskämpfer liegen

In diesem Sarg könnte ein niederländischer Freiheitskämpfer liegen Foto: Kerstin Kempermann

von Kerstin Kempermann

Oldenburg. „Wie mit einer Schippe reingelegt, so beschreibt Pastor Ralph Hennings, den Zustand der Knochen, die gefunden wurden, als im Frühsommer der Sammelsarg in der St.-Lamberti-Kirche auf der Suche nach Graf Adolf von Nassau und Graf Christoph von Oldenburg geöffnet worden ist. Wie berichtet, wird vermutet, dass der niederländische Freiheitskämpfer und das Mitglied der Grafenfamilie bei Grabungen unter der Lambertikirche im Jahr 1937 in diesem Sammelsarg gelandet sind. Dieser Sarg war lange Zeit im Heizungskeller eingemauert. Doch nun wurde er hervorgeholt und geöffnet.

Dabei zeigte sich, dass sich da-rin nicht nur zwei Skelette, sondern Knochen von viel mehr Menschen befinden. „Es gibt mehr Knochen als historische Mitglieder der Grafenfamilie“, berichtet Hennings. Darunter ein vollständiges Skelett. „Wir vermuten, dass es sich dabei um Graf Christoph handelt. Das würde auch vom Alter her passen“, erläutert Hennings. Außerdem entdeckten die Archäologen des niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, die Anthropologen der Universität Göttingen und Mitarbeiter der Oldenburger Lambertikirche, die mittlerweile an der vom Groninger Historiker Lammert Doedens angestoßenen Suche nach Garf Adolf von Nassau beteiligt sind, Knochen von zwei Männern Ende 20. Darunter auch zwei Unterkiefer. „Einer von Ihnen könnte der niederländische Freiheitskämpfer sein. Es kann aber auch sein, dass es nicht so ist“, formuliert Hennings die Hoffnung auf den großen Fund.

30 Individuen in einem Sarg

Diese Hoffnung speist sich aus den Erkenntnissen der morphologischen Untersuchungen, die in Göttingen gemacht worden sind. Dorthin wurde der Inhalt des Sarges gebracht. Das Ergebnis: In dem Oldenburger Sammelsarg waren die Überreste von mindestens 30 Individuen. Bei der Suche nach Graf Adolf von Nassau konzentrierten sich die Anthropologen auf Knochen, die zu einem 28-jährigen Mann passen und es zudem erlauben, DNA-Proben von ihnen zu nehmen. Dabei sind sie fündig geworden. Es gibt Überreste von zwei Individuen, die in dieses Profil passen. Darunter die zwei Unterkiefer. Von diesen Knochen werden jetzt DNA-Proben entnommen und auf ihre Eignung geprüft.

„Die nächste Aufgabe auf der Suche nach Graf Adolf von Nassau ist es, aussagefähiges Vergleichsmaterial zu beschaffen. Dafür kommen seine nahen Verwandten in Betracht, zurzeit bemühen wir uns um DNA-Material eines Neffen und einer Großmutter. Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr vorliegen. Damit wird im Idealfall die Frage, ob Graf Adolf von Nassau in Oldenburg beerdigt worden ist, geklärt werden können“, sagt Hennings.

Klarheit zum Reformationsjubiläum erhofft

Zu dem überraschend umfangreichen Knochenfund in dem Sammelsarg erklärt Hennings: „Die Menge lässt darauf schließen, dass hier die Reste der mehrfach zerstörten Grablege der Grafen von Oldenburg in der Lambertikirche deponiert worden sind. Die Zahl der im Sammelsarg nachgewiesenen Individuen ist allerdings größer als die Zahl der in Frage kommenden Angehörigen des Oldenburger Grafenhauses. Wir gehen derzeit davon aus, dass Knochen anderer in der Lambertikirche bestatteter Menschen eingebettet worden sind.“

Das einzig annähernd komplett erhaltene Skelett im Sarg könnte nach dem bisherigen Stand Graf Christoph von Oldenburg sein. „Wir wissen aus den Berichten zu den Grabungen 1937, dass sich seine Knochen in dem Sarg befinden“, betont Hennings. Dennoch wird es noch dauern, bis Gewissheit erlangt wird. Im Hinblick auf das Reformationsjubiläum im kommenden Jahr wäre es ein besonders schönes Zusammentreffen, betont Hennings. Denn Christophs Einfluss auf die Reformation in Oldenburg war groß. Auch deshalb wird das Projekt vom „Freiheitsraum Reformation“ der Universität Oldenburg gefördert. Auch die EWE-Stiftung Oldenburg unterstützt die Suche.

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