Tourimus-Pastorin Antje Wachtmann im Porträt

Der gute Geist für die Urlauber an der Nordsee

Seit März begleitet Antje Wachtmann die Urlauber an der niedersächsischen Nordseeküste. Die Urlauberpastorin setzt auf eine „Theologie des Ausruhens“.

Die neue Tourismus-Pastorin Antje Wachtmann in Aurich

Die neue Tourismus-Pastorin Antje Wachtmann in Aurich Foto: Jörg Nielsen / epd

von Jörg Nielsen

Aurich/Cuxhaven. Erst mal einen Kaffee. "Dann können wir reden." Reden und Zuhören – das ist das Kerngeschäft für Antje Wachtmann, der neuen Urlauberpastorin für die niedersächsische Nordseeküste zwischen Ems und Elbe. "Bloß keinen Stress", sagt die Pastorin. "Davon haben die Leute Zuhause genug. Im Urlaub sollen die Menschen Zeit haben, zum Entspannen, zum Nachdenken, zum Regenerieren. Und als Kirche wollen wir sie dabei unterstützen." Antje Wachtmann nennt das eine "Theologie des Ausruhens".

Ihr Büro in Aurich ist spartanisch eingerichtet. Die wichtigsten Arbeitsgeräte sind eine Kaffeemaschine, ein Laptop, ein Telefon und eine Landkarte, die von Borkum im Westen bis Brunsbüttel im Osten reicht. An vielen Küstenorten und auf den Inseln markieren Stecknadeln mit bunten Köpfen die Einsatzorte der "Kirche im Tourismus". An vielen ist Wachtmann schon gewesen oder hat bereits Kontakt zu den Gemeinden aufgenommen, um sie zu beraten.

Gemeinden auf Zeit

Eigentlich sei jede Gemeinde in den Urlaubsregionen eine "Kirche im Tourismus" oder besser eine "Gemeinde auf Zeit", sagt Wachtmann. "Menschen, die Zuhause seit Jahren keine Kirche mehr von innen gesehen haben, streben geradezu in unsere Gotteshäuser und lassen sich auf die Atmosphäre und die Ruhe dieser Orte ein." Es gebe einen deutlichen Trend weg vom Event-Tourismus hin zum "Sinn-Tourismus".

Kehren in den Menschen erst einmal Ruhe und Entspannung ein, beginnen die Gedanken zu rotieren, weiß die Pastorin. Alles, was im Alltag verdrängt wird, weil die Menschen in der Familie oder im Beruf einfach funktionieren müssen, "ploppe" dann an die Oberfläche. Nach Gottesdiensten oder einfach beim Klönschnack beim Kirchenzelt auf den Campingplätzen kommt es dann zu dem berühmten Satz: "Ich hab da mal 'ne Frage." Und das sei gut, sagt Wachtmann. "Wir werden als Ansprechpartner für Sorgen und Nöte erkannt und genutzt."

Traumjob Tourismuspastorin

Obwohl Antje Wachtmann erst im März die Nachfolge von Urlauberpastor Hartmut Schneider angetreten hat, ist das Geschäft für sie nicht neu: Schon als Vikarin arbeitete sie bei Schneider in der Urlauberseelsorge. Dabei lebte und arbeitete sie unter anderem zwei Wochen lang auf dem Campingplatz in Timmel bei Aurich in einem Wohnwagen, um die "Kirche unterwegs" mit Andachten, Gute-Nacht-Geschichten und Stockbrotbacken zu unterstützen.

"Diese Arbeit hat mich nachhaltig geprägt", sagt sie. Auch die Abschlussarbeit ihrer theologischen Ausbildung widmete sie der Urlauberseelsorge unter der Überschrift "Kirche im Urlaub – Gemeinde auf Zeit?". Als dann die Stelle ausgeschrieben wurde, habe sie nicht gezögert: "Ich war gerne Ortspastorin in Hattendorf bei Rinteln, aber das hier ist ein Traumjob." Außerdem habe das Leben und Arbeiten in der Nähe des Meeres noch etwas Gutes: "Ich bin eine leidenschaftliche Seglerin."

Was Luther mit Harry Potter zu tun hat

Zu ihrer Arbeit gehört neben der Seelsorge auch die Koordination, Ausbildung und Betreuung der vielen ehrenamtlichen Helfer von "Kirche unterwegs" und die Unterstützung der Kirchengemeinden an den Urlaubsorten und auf den Inseln. Doch Freiwillige zu gewinnen, werde immer schwieriger, räumt Wachtmann ein. "Früher haben sich viele Theologie-Studenten in den Semesterferien gemeldet." Dazu hätten sie heute keine Zeit mehr, denn in den Ferien müssten Seminararbeiten geschrieben werden. In diesem Jahr sei die "Kirche unterwegs" in ihrer Region nur auf den Campingplätzen in Dornumersiel, Bensersiel und Neuharlingersiel auf der ostfriesischen Seite sowie in Otterndorf und Sahlenburg an der Elbe präsent.

"Und trotzdem haben wir als Kirche in jedem Urlaubsort etwas Besonderes und Einzigartiges zu bieten", sagt Wachtmann mit Stolz in der Stimme. Seien es Konzerte, Strandgottesdienste, Andachten auf einem Krabbenkutter oder die Gute-Nacht-Geschichten mit Stockbrotbacken am Lagerfeuer. Wachtmanns Tipp für diese Saison: Theologie-Studentinnen wollen ein Projekt auf dem Campingplatz in Sahlenburg bei Cuxhaven starten. Dabei wollen sie Martin Luther und das Reformationsjubiläum anhand der Harry-Potter-Romane thematisieren. Der erste Abend steht unter der Überschrift: "Martin und der Stein der Weisen." (epd)

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