Kirchenmusikerin Katharina Rau im Porträt

Reingerutscht in den Traumjob

Ohne sie würde es im Gottesdienst leise bleiben: Etwa 350 Organisten sorgen in Mecklenburg-Vorpommern für den guten Ton. So auch Katharina Rau, die in Plau am See den Takt angibt. Ein Besuch bei einer zufriedenen Kirchenmusikerin.

Katharina Rau an der Orgel in Plau am See

Katharina Rau an der Orgel in Plau am See Foto: Sophie Ludewig

von Sophie Ludewig

Plau am See. Dass sie einmal als hauptberufliche Kirchenmusikerin arbeiten würde, hätte sie selbst früher nicht gedacht: „Ich bin da so reingerutscht“, meint Katharina Rau schmunzelnd. Die 32-Jährige ist zwar in einem Pfarrhaus aufgewachsen und hatte auch Klavierunterricht in der Musikschule, aber erst nach dem Schulabschluss fing sie an, in Gottesdiensten Orgel zu spielen. „Dann kam irgendwann ganz natürlich die Idee, eine Ausbildung zur nebenberuflichen Kirchenmusikerin zu machen“, blickt sie zurück. Doch das reichte ihr nicht, und so hing sie schließlich noch das Studium zur hauptamtlichen Kantorin an der Kirchenmusikhochschule in Dresden dran.

Ihre erste Stelle führte sie auf die Nordseeinsel Amrum. „Die Weite, das Meer, die Ruhe – das habe ich dort schätzen gelernt.“ Deshalb beschloss sie, die in Sachsen aufgewachsen ist, auch nach dem Ende der Vertretungszeit auf Amrum in Norddeutschland zu bleiben. Seit Juni 2016 ist Katharina Rau in der St. Mariengemeinde in Plau am See angestellt.

Stelle wird aufgestockt

Plau ist ein schönes, gemütliches Städtchen, findet sie. „Auch wenn ich ja früher in Dresden zu Hause war, bin ich kein Großstadtmensch. Diese Hektik dort ist nichts für mich.“ Stattdessen sei sie lieber rund um Plau an und auf den vielen Seen unterwegs und hat sogar den Segelschein gemacht. „Die Natur hier ist schon ein großes Privileg“, erklärt sie fröhlich.

Ein weiteres Privileg sei die gute Zusammenarbeit in der Gemeinde. „Die Arbeit macht total Spaß, weil es eine sehr lebendige Gemeinde ist und wir als Team gut miteinander harmonieren. Die kirchenmusikalische Arbeit wird hier sehr wertgeschätzt. Das tut gut.“ Auch Pastorin Hannah Poppe ist voller Lob: „Katharina macht das echt toll, wir sind richtig begeistert von ihr und ihrem Talent, die Leute in der Stadt  zusammenzubringen.“

Diese Begeisterung geht so weit, dass die Gemeinde die 75-Prozent-Stelle von Katharina Rau seit Januar 2018 für drei Jahre auf 100 Prozent aufgestockt hat und die Maßnahme aus den eigenen Rücklagen finanziert. „Wir sehen, wie wichtig diese Arbeit für unsere Gemeinde ist, und mit einer vollen Stelle ist einfach mehr möglich“, erläutert Hannah Poppe. „Vorher mit der Teilzeitstelle gestaltete es sich doch ziemlich schwierig, organisatorisch alles unter einen Hut zu bringen. Und ich kann auch schlecht nein sagen, wenn Gemeindemitglieder sich bestimmte Angebote wünschen – da mache ich dann lieber Überstunden“, führt Katharina Rau aus. Sie freue sich, nun noch mehr Projekte starten zu können, zum Beispiel einen Kinderchor.

Wichtiges Kulturgut

Ein möglichst breites und abwechslungsreiches Kirchenmusikangebot sei ihr sehr wichtig, im Moment betreut sie einen Gospelchor, die Kantorei, einen Posaunenchor für Erwachsene sowie eine Jungbläsergruppe und unterrichtet Orgelschüler. Das bedeutet wöchentliches Üben mit rund 60 Menschen aller Altersstufen. „Natürlich ist das manchmal ganz schön anstrengend, aber die Zusammenarbeit mit den Gruppen macht mir auch sehr viel Freude.“ 

Dass es in Plau in kirchenmusikalischer Hinsicht so wunderbar laufe, sei ein großer Segen, findet Pastorin Poppe. „Uns ist aber auch bewusst, dass es in anderen Gemeinden, vor allem auf dem Land, oft nicht so rosig aussieht. Wenn da dann aus Mangel an haupt- oder ehrenamtlichen Kirchenmusikern der CD-Player im Gottesdienst zum Einsatz kommen muss, ist das einerseits zwar verständlich, aber andererseits geht damit auch ein wichtiges Kulturgut in unserer Kirche verloren“, fügt sie hinzu. Katharina Rau sieht bei der Notlösung CD statt Organist auch einen praktischen Nachteil: „Ein Mensch kann flexibel auf die Gottesdienstbesucher eingehen, wenn sie langsamer, schneller, höher oder tiefer singen wollen – eine CD nicht.“ 

Über solche Probleme werden sich die Kirchenmusiker aus den Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern vielleicht auch bei ihrer nächsten Jahrestagung austauschen, die vom 23. bis 26. Januar in Salem am Kummerower See stattfindet. Katharina Rau sieht der Tagung mit großer Vorfreude entgegen: „Die Workshops und die Anregungen durch die Gespräche mit den Kollegen sind einfach unheimlich motivierend.“

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