Lebendiger Adventskalender

Auf Tour mit Maria und Josef

Auf Rügen hat sich eine besondere Form des Lebendigen Adventskalenders etabliert. Sie hat zu tun mit einem kleinen Schrank – und mit Maria und Josef.

Dieser Schrank mit Maria und Josef wandert auf Rügen von Haus zu Haus

Dieser Schrank mit Maria und Josef wandert auf Rügen von Haus zu Haus Foto: Tino Mehner

von Sybille Marx

Bergen. Aus den 70er Jahren soll es stammen, dieses Schränkchen, das im Advent auf der Insel Rügen von Wohnung zu Wohnung gebracht wird: „Der damalige Pfarrer der katholischen Gemeinde Sassnitz hat es aus einem DDR-Einbauschrank mit Flügeltüren gebaut“, erzählt Maria von Kessel, Mitglied der katholischen Kirchengemeinde auf Rügen. „Wenn man die Türen aufklappt, sieht man dahinter Maria und Josef, wie sie bei einer Herberge an die Tür klopfen.“ Und eben diese beiden Figuren suchten nun im Advent 2017 wieder eine Herberge, jeden Tag neu, vom 1. bis 24. Dezember.

Seit etwa sieben Jahren pflegen die Rügener Katholiken diese besondere Form des Lebendigen Adventskalenders, zum zweiten Mal macht die evangelische Gemeinde Bergen mit: Jeder, der will, kann sich online in eine Liste eintragen, an einem Tag im Advent Maria und Josef aufnehmen – und zugleich die Türen öffnen für alle aus den beiden Gemeinden, die Lust haben auf einen Adventsabend in Gemeinschaft. 

Syrisches Ehepaar zu Besuch

Der Gastgeber teilt Liedhefte aus oder liest eine Geschichte vor, serviert Plätzchen, Tee oder gibt einfach Raum zum Erzählen – wie beim klassischen lebendigen Adventskalender. „Ich finde diese Offenheit toll: zu sagen, es kann kommen, wer kommen will“, sagt Maria von Kessel, die zu den Initiatoren gehört. „Einmal hatte ich da auch Besuch von einem syrischen Ehepaar, so dass der Abend auf Englisch weiter  lief – das war spannend!“ Überhaupt ergäben sich oft interessante, schöne Gespräche.

Pädagogin Paula Kiefer von der evangelischen Gemeinde Bergen schätzt an der Aktion den ökumenischen Aspekt: „Es gibt im Alltag nicht so viele Berührungspunkte zwischen der katholischen und der evangelischen Gemeinde“, sagt sie. „Durch die Herbergssuche sitzt man auch mal bei Leuten auf dem Sofa, die man bisher vielleicht nur vom Sehen aus dem Gottesdienst kennt.“  Außerdem sei es schön, besondere Zeiten wie den Advent mit besonderen Tätigkeiten zu füllen. „Die Leute, die da kommen, versuchen was anders zu machen“, scheint ihr. „Mir persönlich hilft das, den Blick auf Weihnachten zu richten: auf das, was Gott für uns gegeben hat, darauf, wie gut wir es haben und dass wir uns begegnen können.“ Manche älteren Leute aus der Gemeinde nutzten die Einladungen vor allem deshalb gern, weil ihnen die große Kirche im Winter zu kalt sei oder sie sich wegen Hör- oder Sehproblemen in größeren Gruppen nicht mehr so wohl fühlten.

Hoher Aufwand für Gastgeber

Nur eins macht die Sache ein bisschen schwierig: der Organisationsaufwand für die Gastgeber. Wer Maria und Josef beherbergen will, bekommt das Schränkchen vom Vorgänger gebracht, öffnet die Türen an dem Abend für alle, die kommen wollen. Am nächsten Abend bringt er Maria und Josef zum folgenden Gastgeber, um dort wiederum als Gast dabei zu sein. „Man muss also an zwei aufeinander folgenden Abenden Zeit haben“, sagt Paula Kiefer. Und wer sich früh in die Liste einträgt, sieht nicht, wer der Gastgeber am nächsten Abend sein wird. „Manche aus der Gemeinde haben dann Sorge, dass sie sehr weit fahren müssten.“ 

Das kann auch passieren, sagt Maria von Kessel. Denn die katholische Gemeinde, zu der nur etwa zwei Prozent der Inselbewohner gehören, ist über ganz Rügen verstreut. Von Bergen aus könnte die Fahrt bis zu einer Stunde dauern. „Nicht jeder hat ein Auto oder die nötige Zeit“, sagt Maria von Kessel. „Ich selbst finde es allerdings gerade spannend, mal ganz woanders hinzufahren – und durch diese Aktion Leute aus der Gemeinde kennen zu lernen, die ich noch nie gesehen habe.“ 

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