Ökumene ganz praktisch

Gewitter treibt Katholiken an Fronleichnam in evangelische Kirche

Beim Gottesdienst auf dem Marktplatz setzt nach der Predigt ein Unwetter ein, und die Besucher flüchten sich in die Marktkirche.

Foto: Brian Jackson / Fotolia

Hannover. Wegen eines Gewitters haben Hannovers Katholiken erstmals nach 484 Jahren ihren Fronleichnamsgottesdienst wieder zum Teil in der heute protestantischen Marktkirche gefeiert. Die Feier begann zunächst mit rund 2.000 Teilnehmern unter freiem Himmel auf dem Marktplatz. Doch nach der Predigt setzten starker Regen, Blitz und Donner ein, und die Besucher flüchteten unter das Dach der Marktkirche nebenan, die ihnen für diesen Fall offenstand. Dort wurde der Gottesdienst fortgesetzt. Die zentrale Kirche der Stadt wurde im Zuge der Reformation 1533 evangelisch.

Die Repräsentanten beider großer Kirchen nahmen die Sache mit Humor und als Zeichen der Ökumene. "Manche Dinge regelt der liebe Gott von ganz alleine", sagte der evangelische Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann. Und die gastgebende Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann ergänzte: "Das ist wie in der Weihnachtsgeschichte: Wir geben hier heute Herberge." Auch der katholische Propst Martin Tenge wertete den Verlauf der Feier als Zeichen der Freundschaft, wie eine Sprecherin der katholischen Kirche mitteilte: "Es wirkt so, als ob Gott die Kirchen noch ökumenischer möchte, als wir das denken."

Applaus für die Gastgeber

Tenge und Heinemann hatten auf der Open-Air-Bühne auf dem Marktplatz zuvor erstmals eine gemeinsame Dialogpredigt gehalten, bei der sie das Verbindende zwischen den Konfessionen herausstellten. Die katholischen Christen Hannovers feiern ihren Fronleichnamsgottesdienst auf Einladung der evangelischen Kirche seit zwei Jahren direkt neben der Marktkirche. Eine geplante Prozession zur katholischen Basilika St. Clemenskirche wurde wegen des Unwetters abgesagt. Für die Gastfreundschaft der Marktkirche spendeten die Katholiken minutenlangen Applaus. Fronleichnam wird von Katholiken seit dem Mittelalter zehn Tage nach Pfingsten gefeiert. (epd)

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