Neues Projekt

Erste „Vesperkirche“ in Niedersachsen bittet alle zu Tisch

Der Professor soll neben dem Obdachlosen essen: In Hannover geht die erste „Vesperkirche“ Niedersachsens an den Start.

Die Lutherkirche in Hannovers Norden wird zur "Vesperkirche"

Die Lutherkirche in Hannovers Norden wird zur "Vesperkirche" Foto: Ulrich Seiler / Wikipedia

Hannover. Die Lutherkirche in Hannovers Nordstadt soll zur ersten "Vesperkirche" Niedersachsens werden. Vom 3. bis zum 17. September könnten sich dort Menschen verschiedener sozialer Schichten beim gemeinsamen Essen begegnen, erläutert der hannoversche Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. In Süddeutschland liefen solche Projekte seit Jahren erfolgreich, betonte er. In Niedersachsen hingegen sei dies das erste derartige Projekt.

Begleitet von einem Kulturprogramm werde es in den zwei Wochen täglich ab 16.30 Uhr kostenloses Abendessen in der Kirche geben. Im Unterschied zu anderen Essensausgaben solle hierbei aber kein soziales Gefälle entstehen, hofft Müller-Brandes. "Sonst verteilen Ehrenamtliche aus dem bürgerlichen Milieu und Wohnungslose essen – hier sollen alle miteinander ins Gespräch kommen." Träger der Vesperkirche sind die Nordstädter Kirchengemeinde, das Diakonische Werk Hannover und die Diakonie Niedersachsen.

120 Ehrenamtliche im Einsatz

Die hannoversche Nordstadt sei als Stadtteil für solch ein Projekt besonders geeignet, sagte Kulturpädagogin Steffi Krapf. "Das ist ein echter Kiez, in dem vom Professor bis zur autonomen Szene ganz unterschiedliche Leute wohnen." Um auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen, hätten sich die Veranstalter statt eines Mittagessens für die Zeit des späten Nachmittags und Abends entschieden. Der Start des Projekts falle zudem mit der niedersachsenweiten Woche der Diakonie zusammen.

Rund 120 Ehrenamtliche seien an der "Vesperkirche" beteiligt, sagte Diakon Heiko Deppe, der das Projekt koordiniert. Täglich soll es sowohl ein vegetarisches als auch ein nicht-vegetarisches warmes Hauptgericht geben, ergänzt um Obst, Brot, Kaffee und Salate. Nachmittags werde ein wechselndes Kinderprogramm veranstaltet, ab 19 Uhr folge ein vielfältiges Kulturprogramm in und um die Kirche. Dazu gehörten etwa Filmvorführungen, Reiseberichte, Konzerte, Kabarett, Kunstaktionen und ein Gottesdienst. Die Veranstalter rechnen mit rund 200 Gästen pro Tag.

Noch gebe es jedoch eine Finanzierungslücke von gut 15.000 Euro. "Wir sind auf die Wirtschaft zugegangen, aber anders als bei Vesperkirchen in Süddeutschland hat das nicht funktioniert", sagte Müller-Brandes. Bislang seien nur kirchliche Einrichtungen als Geldgeber dabei. Das fehlende Geld müsse über Spenden hineinkommen. (epd)

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