Neue Armutsstudie

Diakonie sieht sozialen Frieden in Gefahr

Die neue Kinderarmuts-Studie zeigt, dass Kinder aus benachteiligten Verhältnissen leider dauerhaft oder wiederkehrend von Armut betroffen sind.

In Niedersachsen hat sich die Armutsgefährdungsquote im vergangenen Jahr erhöht.

In Niedersachsen hat sich die Armutsgefährdungsquote im vergangenen Jahr erhöht. Foto: Fotolia/Harald07

Hannover/Gütersloh. Vor dem Hintergrund einer Bertelsmann-Studie zur Kinderarmut warnt die Diakonie in Niedersachsen vor einer "vererbten Armut" und einer "wachsenden Gefahr für den sozialen Frieden". Schon seit langem beobachte die Diakonie, dass sich Armut bei vielen Familien über Jahre hinweg verfestige, sagte Diakonie-Vorstandssprecher Christoph Künkel in Hannover. Laut der in Gütersloh vorgestellten Studie bleiben Kinder in armen Familien oft über längere Zeit benachteiligt. Zwei von drei von Armut betroffenen Kinder leben dauerhaft oder wiederkehrend in Armut. Besonders armutsgefährdet seien Kinder alleinerziehender Eltern, mit mindestens zwei Geschwistern oder mit geringqualifizierten Eltern.

Schere zwischen Reich und Arm wird stetig größer

Künkel forderte angesichts der Ergebnisse: "Es ist dringend geboten, dass wir auch wieder über eine Verteilungsgerechtigkeit in unserem Land reden." Die stetig größer werdende Schere zwischen Reichtum und Armut bedrohe den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein Beleg dafür sei das Erstarken von rechtsextremen Parteien. Der Sprecher der niedersächsischen Landesarmutskonferenz, Martin Fischer, beklagte, dass insbesondere Kinder unter der mangelnden Gerechtigkeit leiden müssten. "Diese Erfahrung des Ausgeschlossenseins prägt diese Kinder von klein an und sorgt dafür, dass es schwer wird, aus der Armutsspirale herauszukommen." Die Armutskonferenz setze sich für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer ein und unterstütze die Forderung nach einer Kindergrundsicherung.

Armutsgefährdungsquote in Niedersachsen gestiegen

Als arm gelten Familien, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens haben oder staatliche Grundsicherung erhalten. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen vom August hat sich die Niedersachsen die Armutsgefährdungsquote im vergangenen Jahr von 15,9 auf 16 Prozent erhöht. Im bundesweiten Mittel lag sie unverändert bei 15,7 Prozent.

Armut in Deutschland bedeutet Verzicht

Für die Bertelmann Studie wurde auch nach Gütern und Möglichkeiten der sozialen Teilhabe gefragt. Zu den 23 aufgelisteten Punkten gehören beispielsweise eine genügend große Wohnung, eine Waschmaschine, ein internetfähiger Computer sowie Kinobesuche oder die Möglichkeit, Freunde zum Essen nach Hause einzuladen. Kinder, die dauerhaft in armen Verhältnissen leben, mussten auf durchschnittlich mehr als sieben Prozent der abgefragten Güter verzichten. Kindern in zeitlich begrenzter Armut fehlten 3,4 Prozent der Möglichkeiten. Kinder aus Familien mit sicherem Einkommen müssen lediglich auf 1,3 Prozent der Güter aus finanziellen Gründen verzichten. Armut bedeute in Deutschland zwar nicht, kein Dach über dem Kopf oder kein Essen zu haben, erklärten die Autoren der Studie. Die lebensnotwendige Grundversorgung sei gesichert. Armut bedeute aber, auf vieles verzichten zu müssen, was für andere ganz normal zum Aufwachsen und Leben dazu gehöre. Für die Studie haben die Forscher über einen Zeitraum von fünf Jahren die Einkommenssituation von Familien untersucht. Zu fast 3.200 Kindern wurden Informationen ausgewertet. (epd)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Hannover

Zur Preisverleihung in Hannover werden beide Prominente erwartet. Wer macht das Rennen?

Top-Thema

Der Pastor lobt die "ernsthafte Auseinandersetzung mit existenziellen Themen". Weitere Feiern im Stil der Gothic-Kultur sind schon geplant.

Hannover

In einem neu angemieteten Haus in der Innenstadt sind mehrere Einrichtungen untergebracht. Denn die Zahl der Wohnungslosen steigt.