Nortrup-Loxten bei Osnabrück

Am Sonnabend steigt der Gothic-Gottesdienst

Der Pastor lobt die "ernsthafte Auseinandersetzung mit existenziellen Themen". Weitere Feiern im Stil der Gothic-Kultur sind schon geplant.

Schon 2013 feierte die Gothic-Szene einen Gottesdienst in Nortrup-Loxten bei Osnabrück

Schon 2013 feierte die Gothic-Szene einen Gottesdienst in Nortrup-Loxten bei Osnabrück Foto: Uwe Lewandowski / epd

von Martina Schwager

Bersenbrück/Kr. Osnabrück. Der Bersenbrücker Berufsschulpastor Uwe Brand will mit seinem dritten Gothic-Gottesdienst dieses Format in der evangelischen Dorotheen-Kirche in Nortrup-Loxten bei Osnabrück etablieren. Jedes Jahr im November soll es dann, wie an diesem Sonnabend, 18. November, in der neogotischen Kirche eine Feier im Stil der Gothic-Kultur geben, kündigte Brand in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) an: In düsterer Atmosphäre mit Kerzenschein und Nebelschwaden, mit melancholischem Gothic Rock live von einer Band und Gedanken zu Leben und Tod. "Die Szene ist sehr reflektiert, was Lebensfragen angeht. Das passt sehr gut in einen christlichen Gottesdienst."

Brand wird die Feier ab 19 Uhr gemeinsam mit der Band "The Dark Butterfly" aus Dortmund sowie seiner Klasse für Erzieher der Berufsbildenden Schulen gestalten. Sie steht unter dem Motto "Seelenspiegel". Es bezieht sich sowohl auf das gleichnamige neue Album der Band wie auch auf das Buch "Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort" des norwegischen Autors Jostein Gaarder. Die Schüler haben dazu Spielszenen und Videos entwickelt. Der Pastor hatte 2013 zum ersten Gothic-Gottesdienst in Norddeutschland eingeladen.

Brand sagte, auch wenn das Erscheinungsbild der Gothic-Anhänger mitunter manchmal fremd wirke, sei ihre Auseinandersetzung mit existenziellen Themen sehr ernsthaft. Viele trügen schwarze lange Mäntel und Piercings, färbten ihre Haare schwarz und schminkten ihre Gesichter blass.

Theologisch über den Tellerrand

"Die schwarze Szene beschäftigt sich intensiv mit der Frage: Wo komme ich her, wo gehe ich hin?", erläuterte der Pfarrer. Fragen nach den letzten Dingen, nach der Endlichkeit und dem, was nach dem Tod komme, trieben sie um. Bei der Suche nach Antworten machten sie oft Anleihen bei anderen Religionen oder auch im esoterischen Bereich. "Das gibt uns im Gottesdienst die Möglichkeit, theologisch mal über den Tellerrand zu schauen".

Die Botschaft des Gothic-Gottesdienste bleibe aber eine christliche, betonte Brand. Sie werde lediglich etwas anders verpackt als in traditionellen Gottesdiensten. Viele junge Menschen könnten die klassischen theologischen Formulierungen, wie sie etwa im Glaubensbekenntnis vorkämen, nicht mehr verstehen. Da sei es angebracht, neue Formen der Vermittlung auszuprobieren, erläutere Brand. Er wolle den Menschen sagen: "Kirche nimmt euch wahr und macht ein Angebot für euch. Wie haben die gleichen Fragen. Unsere Antworten sind allerdings andere. Aber es lohnt sich für euch, darüber nachzudenken."

Der große Zuspruch von zuletzt 400 Gästen habe ihn zusätzlich ermutigt, daraus ein regelmäßiges Angebot zu machen. Davon hätten im Übrigen nur rund 100 der Gothic-Szene angehört. "Das interessiert offensichtlich auch andere Menschen, die sich von der besonderen Inszenierung angesprochen fühlen. Wir hatten sogar 80-Jährige und katholische Messdiener unter den Besuchern." (epd)

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