Hamburger Projekt „Refill“

Wie Wasser aus dem Hahn der Umwelt hilft

Eine Initiative aus Hamburg sorgt dafür, dass Passanten ihre Flasche an vielen Orten mit Wasser auffüllen können. Die Gründerin Stephanie Wiermann will so der Umwelt helfen. Die Idee kommt an – nicht nur in der Hansestadt.

von Dana Kim Hansen und Timo Teggatz

Hamburg. Der Aufschrei war groß: Der Schauspieler Til Schweiger bietet in seinem Hamburger Restaurant Leitungswasser an. Doch der Liter Wasser aus dem Wasserhahn soll 4,20 Euro kosten. Immerhin sei das Wasser gefiltert und mit Kohlensäure versetzt worden, erklärte der Schauspieler. Trotzdem schlugen die Wellen hoch. Darf Leitungswasser in Restaurants so viel kosten? Jedenfalls gibt es eine Alternative.

Wer in Hamburg sein Wasser aus dem Hahn umsonst bekommen möchte, der muss die blau-weißen Aufkleber mit dem Wassertropfen suchen. Die signalisieren: Hier gibt es Leitungswasser umsonst. Dahinter steht die neue Initiative „Refill“. Die Idee dazu hatte die Hamburger Bloggerin und Webdesignerin Stephanie Wiermann. Inspiriert wurde sie dabei von der englischen Stadt Bristol. Dort gibt es seit 2015 ein ähnliches Projekt – und mittlerweile 200 Abfüllstationen. Die Idee gefiel Wiermann so gut, dass sie sie nach Deutschland holen wollte.

Hamburger Kirchengemeinde dabei

Das Prinzip ist laut Wiermann einfach: „Die Menschen müssen nur ihre Wasserflaschen dabei haben. Bars, Cafes oder Läden erklären mit dem Refill-Aufkleber an dem Fenster, kostenfrei Leitungswasser in diese Gefäße einzufüllen.“ Das sei für niemanden ein großer Aufwand. Wer also mitmachen will, klebt den entsprechenden Aufkleber an die Tür. Dabei ist die Art des Ladens egal. „Es macht auch eine Buchhandlung mit und eine Apotheke – an solche Geschäfte habe ich am Anfang gar nicht gedacht“, so die Gründerin. Und auch ein Cafe in Stedesand, nicht weit von der dänischen Grenze, ist dabei.

In Hamburg ist Rock & Rat dabei, der Second-Hand-Laden der Steilshooper Martin-Luther-King-Gemeinde. Zu verdanken hat die Einrichtung das ihrem Mitarbeiter Sebastian Ott, der damals seinen Bundesfreiwilligendienst leistete. „Ich habe einen Fernsehbericht über das Projekt gesehen und war sofort begeistert“, berichtet Ott. Er habe seiner Chefin vorgeschlagen, bei Refill einzusteigen, und diese habe sofort zugestimmt. Seit einem halben Jahr können Kunden nun kostenlos ihre Flaschen auffüllen. Die Resonanz sei bislang überschaubar, aber Ott hofft, dass Refill noch bekannter wird in der Hansestadt.

Mit der Initiative will Wiermann vor allem eins erreichen: Müll vermeiden. „Wenn wir den zukünftigen Generationen eine Lebensgrundlage bieten wollen, müssen wir radikal etwas an unserem Plastikkonsum ändern. Wir leben auf Pump, auf Kosten der nächsten Generationen.“ Was Ende März in Hamburg begann, hat mittlerweile auch in anderen deutschen Städten Nachahmer gefunden. Neben Berlin und Dresden ist seit Anfang Juni auch Bonn dabei.

Leitungswasser hat gute Qualität

Die Initiative sei eine Möglichkeit, „für sich selbst etwas Nachhaltiges zu tun“, findet Benjamin Wockenfuß, der die Idee nach Bonn holte. Er betont auch die soziale Komponente der Aktion, schließlich komme man so mit der Nachbarschaft in Kontakt. Ziel sei es auch, ein neues Bewusstsein zu schaffen. „Wir müssen nicht immer neu konsumieren, vieles liegt uns vor der Nase.“

Ole Braukmann von Hamburg Wasser betont die gute Qualität des Wassers. „In Hamburg und in ganz Deutschland ist Leitungswasser aufgrund der Trinkwasserverordnung als Lebensmittel sehr gut geeignet.“ Die Wasserqualität werde durch Analysen und Grenzwerte kontrolliert. Auch der Preis kann sich sehen lassen. So kosten in Hamburg laut Braukmann 1000 Liter „Kranwasser“ inklusive der Schmutzwassergebühr 3,96 Euro. Trotz regionaler Unterschiede liege der Preis pro Liter bei weniger als einem halben Cent.

Stephanie Wiermann hofft, dass noch mehr Menschen auf Leitungswasser umsteigen. „Ich wünsche mir, dass die Menschen realisieren, dass sie auch zu Hause Wasser aus dem Hahn zapfen können und keine Plastikflaschen mehr dafür schleppen müssen.“ (KNA/EZ)

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