Evangelische Kindertagesstätte in Tornesch

Warum vier Hühner in eine Kita gezogen sind

Jeden Tag laufen die Kinder der Kita in Tornesch bei Hamburg neugierig in den Garten – aus gutem Grund: Dort steht ein Stall mit vier Hühnern. Das hat für die Kinder positive Effekte.

Die Kinder füttern die Hühner im Außengehege der Kita

Die Kinder füttern die Hühner im Außengehege der Kita Foto: Kristina Larek

von Kristina Larek

Tornesch. Die evangelische Kita in Tornesch hat seit Juli neue Bewohner: Henriette, Polly, Alma und Pock fühlen sich dort tierisch wohl und sind für die Kinder inzwischen eine Attraktion geworden. Denn bei dem Quartett handelt es sich um vier Hühner, deren Stall im Garten der Kita steht. So können die Kinder das Leben der Tiere aus der Nähe verfolgen. Momentan warten sie gespannt darauf, dass die jungen Hühner zum ersten Mal Eier legen.

Die Idee, Tiere in den Alltag der Kita zu holen, hatten Pastorin Anoinette Lühmann und Leiterin Martina Droste. Dabei half den beiden ein Zufall, denn ein Mitglied des Kirchengemeinderates in Tornesch züchtet selbst Hühner. „Die sind zwei Straßen von hier ausgebrütet und dann feierlich in der Kita ins Gehege gesetzt worden“, erklärt Antoinette Lühmann.

Verzug wegen Vogelgrippe

Aber zwischen der Idee und dem Einzug der Hühner gab es viele Hürden. Denn die Vogelgrippe hat das Projekt in Gefahr gebracht und den Einzug von Henriette, Polly, Alma und Pock um ein halbes Jahr verzögert. Jetzt ist alles so angelegt, dass Hühner und Kinder sicher sind. Es gibt Hygieneregeln und eigene Schuhe für die Kinder, die Hühner sind geimpft und der Außenbereich ist so angelegt, dass mit Sicherheit kein anderer Vogel an die vier tierischen Mitbewohner herankommt.

Das Hühnergehege mit blauem Hühnerhaus und Außenvoliere steht im Garten der Kita. „Immer wenn ich komme, steht mindestens ein Kind bei den Hühnern und schiebt einen Grashalm oder Löwenzahn durch den Zaun“, erzählt Pastorin Antoinette Lühmann. Tierische Bewohner sind für die Kita in Tornesch ohnehin nichts Neues. So haben die Kinder einen Garten für Schmetterlinge und Bienen angelegt. Der Schritt zu einem Gehege für Hühner sei dann nur noch ein kleiner gewesen.

Mehre Wochen lang haben die Erzieher die Kinder auf die Neuankömmlinge vorbereitet. Dazu haben sie Bücher über Hühner und deren Haltung angeguckt und die Kinder haben schon mal die Legekörbchen gebaut. Nun hat jede Kita-Gruppe eine Woche lang Hühnerdienst, damit die Mitarbeit bei dem Projekt gerecht verteilt ist. Dann wird gefüttert, geputzt, gestreichelt und Wasser gegeben. Denn genau hier liegt der pädagogische Nutzen, den die Kinder von den Tieren haben. „Ich übernehme eine Sorge für ein Tier, und dem muss ich auch gerecht werden. Das Tier braucht Fressen, einen Raum, Zuwendung und natürlich auch was zu trinken“, so Droste. Die Kinder sollen dadurch vorsichtig kennenlernen, wie es ist, Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen.

Auseinandersetzung mit der Schöpfung

Auch theologisch werden die Hühner einbezogen. Die Kinder hätten die Chance, sich mit der Schöpfung fühlbar auseinanderzusetzen, sagt die Pastorin. Sie könnten zusehen, wie sich ein Lebewesen entwickelt, und es bewahren. Die Kinder würden das Verhalten der Hühner beobachten und es auf ihre Gruppe übertragen, das stärke auch das Selbstbewusstsein. „Manche, die vorher nur mit einem Meter Abstand geguckt haben, füttern jetzt Löwenzahn durch den Zaun und stecken ganz selbstverständlich die Finger ins Gehege. Da hat sich bei einigen schon viel getan“, erzählt die Pastorin begeistert.

Gelernt haben die Kinder außerdem, dass Eier keineswegs aus dem Supermarkt kommen. Wenn die Hühner dann die ersten gelegt haben, wollen Gruppenleiter und Kinder entscheiden, was daraus gemacht werden soll: Pfannkuchen, gekochte Eier oder ein Kuchen.

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