"Bündnis für eine neue soziale Wohnungspolitik"

Warum Bedürftige in Hamburg keine Bleibe finden

Die Zahl der Wohnungssuchenden hat sich deutlich erhöht. Ein Bündnis aus mehreren Einrichtungen hat deshalb eine Forderung.

Die Diakonie Stiftung Schleswig-Holstein gibt Geld für Wohnungslose (Symbolbild)

Hamburg. Trotz des umfangreichen Wohnungsbaus in Hamburg finden Bedürftige in besonderen Notlagen kaum eine Wohnung. Wie das "Bündnis für eine neue soziale Wohnungspolitik" mitteilte, hat sich die Zahl der anerkannt vordringlich Wohnungssuchenden 2016 gegenüber dem Vorjahr um 1.502 Haushalte auf 9.359 erhöht. Zu der Gruppe zählen unter anderem Obdachlose, Flüchtlinge, Haftentlassene, Behinderte und kinderreiche Familien. 3.168 dieser Haushalte wurden 2016 versorgt. Diakonie-Vorstand Gabi Brasch sprach von einer "Katastrophe angesichts der Not". Zum Bündnis zählen Diakonie, Caritas, Mieterverein und die Stadtentwicklungsgesellschaft Stattbau.

Nach den Worten von Tobias Behrens, Geschäftsführer von Stattbau, sollte in Großsiedlungen wie Neu-Allermöhe, Steilshoop oder Mümmelmannsberg das politische Ziel einer sozialen Durchmischung zurückgestellt werden. Durch die Aufhebung der sogenannten Freistellungsgebiete könnten hier 600 Wohnungssuchende in Notlagen untergebracht werden. Hamburgweit sollte jede zweite frei werdende Sozialwohnung an diesen Personenkreis vergeben werden. Insgesamt, so Behrens, könnten damit rund 3.000 Menschen in Notlagen untergebracht werden.

Das Bündnis fordert, den bisherigen "Drittel-Mix" bei Neubauten in Hamburg aufzugeben. Statt ein Drittel müsse künftig die Hälfte der neuen Wohnungen eine Sozialbindung haben, forderte Behrens. 52 Prozent aller Hamburger hätten mittlerweile Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Darüber hinaus müsse die Sozialbindung der Wohnungen von 15 auf mindestens 40 Jahre verlängert werden, ergänzte Karin Aßmus vom Mieterverein. Sinnvoll sei auch ein Aufschub für Sozialleistungsempfänger, die wegen Überschreitung der Kosten aus ihrer Wohnung ausziehen müssen. Davon seien 2016 mehr als 1.000 Haushalte betroffen gewesen. (epd)

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