Theologe Lutz Mohaupt

Der Kirchenmann, der ins Hamburger Rathaus wechselte

Als Hauptpastor ging er in die Politik. Dort schaffte Lutz Mohaupt es bis zum Präsidenten der Hamburger Bürgerschaft. Jetzt wird der Theologe 75 Jahre alt.

Lutz Mohaupt bei seiner Vorstellung als Bürgerschaftspräsident im Februar 2010

Lutz Mohaupt bei seiner Vorstellung als Bürgerschaftspräsident im Februar 2010 Foto: Marcus Brandt / dpa

von Klaus Merhof

Hamburg. Einer der ungewöhnlichsten Berufswechsel der jüngsten Hamburger Geschichte gelang 2005 Lutz Mohaupt, damals Hauptpastor an der City-Kirche St. Jacobi: Nach über 30 Jahren quittierte er den kirchlichen Dienst und wechselte in die Politik. Der damalige CDU-Bürgermeister Ole von Beust machte den promovierten Theologen zum Chef der Senatspressestelle. Fünf Jahre später folgte der noch größere Coup: Mohaupt wurde 2010 für knapp ein Jahr Präsident der Hamburgischen Bürgerschaft. Am Montag, 7. August, wird der Kirchenmann, der ins Rathaus wechselte, 75 Jahre alt.

„Ich habe den Wechsel in die Politik nie bereut“, sagte Mohaupt jetzt dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ihm sei die Möglichkeit geschenkt worden, die Entwicklungen in der Stadt aus völlig anderer Perspektive zu erleben und daran mitzuwirken. „Das hat mich neu stimuliert und aktiviert.“

Anruf des Bürgermeisters

Die Karriere des einstigen Kirchenmannes hatte 1970 begonnen, als Mohaupt persönlicher Referent des damaligen Hamburger Bischofs Hans-Otto Wölber wurde. 1975 wechselte er als Oberkirchenrat ins Kirchenamt der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Hannover. 1980 kehrte er nach Hamburg zurück und wurde mit 38 Jahren Hamburgs jüngster Hauptpastor an der City-Kirche St. Jacobi. Ein Amt, das er 25 Jahre lang ausübte.

Er gründete den „Runden Tisch“ zur Bekämpfung der Armut in der City, engagierte sich für die Hamburger Stadtmission, die Bahnhofsmission und die Obdachlosenstätte „Herz As“ im Wichernhof. Parallel wirkte er viele Jahre als Vorsitzender des NDR-Landesrundfunkrates.

Drei Jahre vor seinem Ruhestand kam der Anruf des Bürgermeisters: Bis zum Frühjahr 2007 war Mohaupt Senatssprecher. Das Tempo im Rathaus habe ihn überrascht und beeindruckt, sagt er rückblickend. Komplexe Sachverhalte innerhalb kürzester Zeit und unter erheblichem Druck der Medien auf den Punkt zu bringen – das war für ihn der größte Unterschied zur Arbeit in der Kirche.

Wenig Auftritte in der Öffentlichkeit

2008 zog Mohaupt über den CDU-Listenplatz 18 als parteiloser Abgeordneter in die Bürgerschaft ein. Er war Fachsprecher seiner Fraktion für das Programm „Lebenswerte Stadt“ und Mitglied im Sozial- und Stadtentwicklungsausschuss. Parteipolitisches Gezänk und Ränkespiele hätten ihn nie interessiert, sagt er. Wichtiger sei es gewesen, den gutbürgerlichen Kaufmannsgeist in der „Hauptstadt der Stiftungen“ mit religiös-sozialer Verantwortung zusammenzubringen.

Im Februar 2010 wurde Mohaupt mit breiter Mehrheit zum Bürgerschaftspräsidenten gewählt. Sein Vorgänger Berndt Röder (CDU) war nach knapp sechsjähriger Präsidentschaft wegen der „Glatteis-Affäre“ zurückgetreten. Er hatte in seiner Wohnstraße Schnee und Eis räumen lassen. Bis zum März 2011 stand Mohaupt an der Spitze der Stadt – doch für die nächste Legislaturperiode wollte der damals 68-Jährige nicht wieder kandidieren.

Heute zeigt sich Mohaupt nur noch selten in der Öffentlichkeit. Zuweilen werde er eingeladen, zu offiziellen Eröffnungen, Ausstellungen, Empfängen. „Aber ich gehe längst nicht überall hin.“ Sein Talar hängt ohnehin schon seit Jahren unbenutzt im Schrank – als „schönes Museumsstück“. Er predigt nirgendwo, macht auch keine Vertretungen und übernimmt keine Amtshandlungen, Trauungen oder Trauerfeiern – auch nicht, wenn er darum gebeten wird. „Wenn man damit erstmal anfängt, kann man anschließend nie mehr Nein sagen.“

„Ein Pensionär muss nicht aus dem Hintergrund grummeln“, sagt Mohaupt. In seinem Arbeitszimmer duftet es nach Pfeifenrauch, neben dem Schaukelstuhl am Fenster liegen Zeitungen. Gemeinsam mit seiner Frau unternimmt er ausgedehnte Radtouren und Spaziergänge. Zuweilen besucht er die Gottesdienste in St. Jacobi, seiner alten Wirkungsstätte. Und findet lobende Worte für die amtierende Hauptpastorin Astrid Kleist: „Die predigt gut und macht eine rundum patente Arbeit.“ Seinen Jubiläums-Geburtstag will er fernab von Hamburg verbringen und den Ort keinesfalls verraten. „Ich werde reinfeiern, mit Familie“, sagt er. „Danach bin ich weg.“ (epd)

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