Eine Hamburger Vikarin und ihre besondere Forschung

Auf der Suche nach dem Glück

Welche Vorstellungen gibt es eigentlich von Glück? Damit hat sich die Hamburger Vikarin Anna Cornelius beschäftigt. Sie hat ein Buch geschrieben und organisiert nun einen Abend in ihrer Gemeinde.

Glück gehabt: Anna Cornelius präsentiert ihr Buch

Glück gehabt: Anna Cornelius präsentiert ihr Buch Foto: Friederike Lübke

von Friederike Lübke

Bergedorf. Wie oft steht das Wort „Glück“ im Neuen Testament? Die Antwort lautet: gar nicht. Es gibt nur „glückselig“, zum Beispiel bei den Seligpreisungen. „Das hat mich überrascht“, sagt Anna Cornelius, und es war nicht die einzige Entdeckung, die sie gemacht hat. Die Vikarin der Gemeinde Bergedorfer Marschen hat sich auf die Suche nach dem Glück gemacht, in der Philosophie ebenso wie in der Bibel. Entstanden ist daraus ein Buch, in dem sie die unterschiedlichen Glücksvorstellungen erläutert. 

„Glück hat mich schon immer interessiert“, sagt Anna Cornelius. Auch sei es ihr im Alltag ständig begegnet: als Versprechen auf Produkten, die glücklich machen sollen, als Tipps in einer Frauenzeitung, die zehn Schritte zum Glück empfiehlt, bis hin zur Nacht der Kirchen, die im vergangenen Jahr auch das Thema „Glück“ hatte. Aber so häufig es verwendet wird, so unklar ist, was Glück eigentlich bedeutet. Anna Cornelius wollte es herausfinden. 

Lange Texte, komplexe Gedanken

Ein halbes Jahr hat sie neben dem Vikariat an dem Buch gearbeitet. Sie hat sich durch lange Texte und komplexe Gedanken gearbeitet, denn ein Nachschlagewerk zum Thema gab es nicht, auch in den wichtigsten theologischen Lexika tauchte das Glück nicht auf. Literatur zum Thema „Glück in der Bibel“ suchte sie vergeblich. Auf 50 Seiten erklärt sie in ihrem Buch Glück in der griechischen Philosophie, in der Bibel, bei Kant und im Buddhismus. 

Mit Philosophie hatte sie sich bereits in ihrem Theologiestudium viel beschäftigt, viele Gedanken waren ihr daher schon vertraut: „Aber dass die Glücksvorstellungen so aktuell sind, das hätte ich nicht gedacht“, sagt sie. Für den griechischen Philosophen Epikur etwa, der etwa 300 Jahre vor Christus lebte, bestand Glück darin, mit seinen Freunden in seinem Garten zu sitzen und zu essen – ein sehr hedonistischer Ansatz, den sie gut nachvollziehen kann. „Wenn ich mit Freunden am Küchentisch sitze oder mit meinem Mann auf dem Balkon und die Sonne kommt heraus, dann ist das für mich auch Glück“, sagt sie. 

Umfrage in der Gemeinde

Kritisch daran sei allerdings, dass man dieses Glück nur erreichen kann, wenn man alles Negative ausblendet: Glück als Genussoptimierung ist aus ihrer Sicht ein schwieriger Ansatz. „Dann könnten ja Menschen in armen Ländern nicht glücklich sein“, sagt sie. Im Buddhismus besteht das Glück eher darin, von sich weg zu sehen. Und in der Bibel? Im Alten und Neuen Testament wird es unterschiedlich behandelt. Im Alten Testament findet sich auch das Genießen eines guten Lebens als ein Geschenk Gottes, im Neuen Testament steht das Leben als Kind im Reich Gottes im Vordergrund, auch wenn das auf der Erde noch schwierig ist.

Nicht nur in Texten hat Anna Cornelius Glücksvorstellungen untersucht. Sie hat auch in der Gemeinde viele Gespräche geführt und mit der Kamera aufgezeichnet. Immer zu den beiden Fragen: Was ist Glück? Und: Was hat Gott mit Glück zu tun? Die Antworten waren so unterschiedlich wie die Befragten: Ein Konfirmand antwortete: einen Fisch angeln. Eine Seniorin sagte: Wenn ich morgens aufwache und noch da bin. Bei vielen hatte Glück damit zu tun, von der Familie und den Freunden umgeben zu sein. „Niemand hat gesagt: Meine Karriere macht mich glücklich. Oder: Wenn ich den Posten bekomme, bin ich glücklich“, sagt Anna Cornelius. Auch materielle Dinge wurden nicht genannt. Die Ergebnisse wird sie nun bei einem Abend in der Gemeinde vorstellen. 

Info
Am Freitag, 9. Feburar, findet um 19 Uhr in der Franz-von-Assisi-Kirche, Grachtenplatz 13, ein „Glücksabend“ statt. Mit Musik, Texten, Liedern und dem selbst gedrehten Film wird über das Thema nachgedacht.

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