Prädikantin Margit Gutowski über ihre Ausbildung

„Meine Glaube wurde tiefer“

Anderen von Gott zu erzählen, sei ihr eine Herzensangelegenheit, sagt die 51-Jährige Margit Gutowski aus Putbus (Pommern). Mit 21 anderen Ehrenamtlern aus der Nordkirche absolviert sie noch bis September die dreijährige Prädikanten-Ausbildung.

Prädikantin Margit Gutowski

von Sybille Marx

Frau Gutowski, wie haben Sie die Ausbildung zur Prädikantin bisher erlebt?
Als große Bereicherung für mein Leben. Es ist natürlich sehr aufwändig, für die Seminar-Wochenenden immer nach Ratzeburg zu fahren. Und jetzt im dritten Jahr besucht jeder die Abschlussgottesdienste von sieben anderen Kandidaten, um nachher intensiv Rückmeldung zu geben. Das ist mit viel Fahrerei verbunden. Aber es geht, ich arbeite im Moment nur Teilzeit und habe die Entscheidung nicht einen Tag bereut! Ich durfte einfach 21 tolle Menschen kennenlernen.
Wie hat sich Ihr Glaube in dieser Zeit verändert?
Er ist weiter und tiefer geworden. Ich hatte immer schon eine persönliche Beziehung zu Gott. Ich komme aus einem frommen Elternhaus in Nordrhein-Westfalen und engagiere mich seit meiner Jugend in der Kirche. Aber die intensiven Gespräche jetzt haben meinen Glauben nochmal gestärkt und auch geweitet dadurch, dass wir 22 Teilnehmer alle sehr unterschiedlich sind. Jeder lebt seinen Glauben anders, jeder betont andere Aspekte am Glauben oder an einem Bibeltext. Das war mir zwar vorher auch schon bewusst, aber wenn man als Gruppe durch so eine Zeit geht, spürt man das noch viel deutlicher und erlebt die Vielfalt immer wieder als große Bereicherung.
Wo nehmen Sie den Mut her, als Laie vor der Gemeinde zu stehen und zu predigen?
Mir ist es einfach ein Herzensanliegen, Kirche ganz lebendig zu halten und Menschen von Gott zu erzählen, und ich glaube auch, dass ich dafür eine Begabung habe. Ich wurde und werde im Alltag öfter mal von kirchenfernen Menschen gefragt, warum ich zum Gottesdienste gehe, und freue mich dann, mit ihnen über Kirche und Glauben ins Gespräch zu kommen. Seit ich Jugendliche bin, fahre ich auch auf Gemeindefreizeiten und halte dort Andachten und kleine Predigten. Als Heilpädagogin habe ich in evangelischen Kitas gerne die religiösen Morgenkreise geleitet. Eine Predigt in einem Gottesdienst hat natürlich einen viel höheren Anspruch, aber auch hier geht es mir so: Sobald ich anfange zu predigen, fühle ich mich ruhig und sicher. In der kleinen Winterkirche von Bergen noch stärker als in der großen Marienkirche. Denn ich mag es, wenn ich alle Zuhörer sehen kann, wenn ich spüren kann, dass ich direkt im Kontakt bin mit ihnen. Das wird mir auch rückgemeldet: dass ich sehr präsent sei.
Wie fühlt es sich für Sie an, den Talar zu tragen?
Gut. Anfangs gewöhnungsbedürftig. Ich finde es schade, dass er schwarz sein muss, ich würde lieber einen hellen tragen, weil das fröhlicher wirkt. Als ich das erste Mal im Talar gepredigt habe, im zweiten Jahr der Ausbildung, haben mir die Gottesdienstbesucher auf einmal am Ausgang mehr Rückmeldung gegeben, Dinge gesagt wie: „Ihre Predigt hat mich sehr berührt.“ Und einige wollten, dass ich für sie bete oder sie segne für ein bestimmtes Anliegen. Das mache ich gern, das kann so stärkend sein.
Was wollen Sie in Ihren Predigten vermitteln?
Wenn ich mit den Vorbereitungen anfange, meistens zwei Wochen vorher, lese ich erstmal ganz viel über den historischen Kontext, damit ich zum Beispiel bei einem Paulusbrief verstehe: In welcher Situation war die Gemeinde damals, worauf bezog sich der Briefeschreiber? Dann frage ich weiter: Welche Wahrheiten, welche Weisheiten stecken für uns heute darin, welche Auswirkungen hat es, wenn wir danach leben? Mir ist wichtig, dass klar wird: Der Glaube hat nicht nur sonntags Bedeutung, sondern jeden Tag.
Wie hat die Gemeinde Bergen, in der Sie später vor allem predigen wollen, Sie unterstützt auf Ihrem Weg?
Pastor Jörn Kiefer und seine Frau  haben mich gefragt, ob ich die Prädikantenausbildung machen würde und mich dazu ermutigt. Dann ist er einer meiner Mentoren geworden. Die ersten zwei Predigten, die ich als Ausbildungskandidatin geschrieben habe, hat er noch vor dem Gottesdienst gelesen. Ab der dritten hat er gesagt, ‚Du kannst das allein, ich vertraue Dir‘. Trotzdem haben wir jeden Gottesdienst reflektiert. Ich finde, er ist ein begabter Prediger. Ich konnte viel von ihm lernen. Immer wieder haben mir Menschen aus der Gemeinde Feedback gegeben und mich ermutigt. Die Gemeinde Bergen hat auch einen Teil der Ausbildungskosten übernommen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Info
Allgemeine Infos zur Prädikantenausbildung gibt‘s auf www.gemeindedienst.nordkirche.de

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