"Alissa" in der Hamburger Innenstadt

Lebkuchen mit Herz

Im Schatten der Hauptkirche St. Jacobi verkaufen Angela und Uschi Sprink ihre Lebkuchen. Ein Saisongeschäft, denn im Sommer wird aus ihrem Laden eine Eisdiele.

Uschi Sprink (l.) und Tochter Angela Sprink im Lebkuchen-Laden

von Bettina Albrod

Hamburg. Speiseeis hat im Sommer Saison, Lebkuchen sind in der Weihnachtszeit gefragt – in Hamburg gibt es im Schatten der St. Jacobikirche in der Steinstraße einen kleinen Laden, der beide Saisonwaren anbietet. Im Sommer als Eisdiele, im Winter als Lebkuchenladen. „Alissa“ heißt die Eisdiele von Angela Sprink und ihrer Mutter Uschi, ab Oktober ziehen die Nürnberger Lebkuchen ein. Eis macht dann Platz für Elise: Hier befindet sich jedes Jahr von Oktober bis kurz vor Weihnachten die einzige Verkaufsfläche des Lebkuchenherstellers Schmidt in Norddeutschland. „Wir haben pro Quadratmeter den höchsten Lebkuchen-Umsatz“, erklärt Uschi Sprink – der Laden ist nämlich nur 16 Quadratmeter groß.
Dafür hat er Charme im Überfluss, genau wie die Betreiberinnen, die seit mittlerweile 27 Jahren hinter der Theke stehen und ihre Kunden empfangen. „Wie schön, dass Sie wieder da sind“, ist ein Spruch der Kunden, den Angela und Uschi Sprink häufig hören. „Hier ist das Einkaufen noch sehr persönlich“, betonen sie, „viele unserer Besucher sind seit Jahren Stammkunden. 99,9 Prozent der Kunden sind nett.“ Man freut sich, wenn man einander alle Jahre wiedersieht. Über die Jahre lernt man einander auch ein bisschen kennen. „Manchmal kommen dann Kunden, die immer als Paar da waren, auf einmal alleine“, hat Uschi Sprink die Erfahrung gemacht, „da fühle ich mit den Kunden mit.“

Lange Schlangen

Im „Alissa“ geht es persönlich zu. „Wir haben hier eine sehr nette Atmosphäre, die findet man im Internet nicht“, sagt Angela Sprink. Die Kunden stehen in Stoßzeiten in langer Schlange vor dem Lädchen, denn außer den Sprinks und den Lebkuchenschachteln passt nicht viel mehr hinein. Weihnachtliche Dosen, bunte Pappschachteln, edle Kleinpackungen und eine Dose mit Probiergebäck stehen im Laden – das Wort Mundpropaganda trägt hier seinen Namen zu Recht. „Viele lernen die Lebkuchen woanders kennen und kommen dann, um auch welche zu holen.“
Angeboten wird ein breites Sortiment, der Schwerpunkt liegt auf Elisenlebkuchen; einem Gebäck, das mindestens 24 Prozent Nüsse und nur zehn Prozent Mehl enthalten muss, um sich so nennen zu dürfen. „Unser Renner sind die Bruchtüten“, sagt Angela Sprink. Das sind Elisenlebkuchen in festen Papiertüten, bei denen die Packungen kleine Fehler hatten. „Aber sie sind immer noch rund, und man spart dabei Geld.“

Prominente im Laden

Auch Prominente finden den Weg in das Lebkuchenlädchen, wenn manchmal auch nur aus Neugier. So stand plötzlich Tageschau-Sprecher Jens Riewa im Laden. „Er hat gesagt, dass er nur mal gucken wollte, warum die Leute hier Schlange stehen“, erzählt Uschi Sprink. „Er war sehr lustig.“ Auch Menschenrechtler und Survivalexperte Rüdiger Nehberg hat hier schon gekauft, und einmal im Jahr erscheint Fernsehkoch Rainer Sass und deckt sich mit Lebkuchen ein. Wöchentlich kommt frische Ware aus Nürnberg an, denn die Nachfrage ist groß. Meist ist kurz vor Weihnachten alles verkauft. Was übrig bleibt, wird abgeholt.
Die Nachbarschaft zur Kirche bringt Sprinks Laufkundschaft. „Wenn in der Kirche eine Veranstaltung ist, kommen immer auch viele Leute bei uns vorbei. Die St. Jacobikirche ist unser Vermieter“, so Angela Sprink, „ihr gehört das Haus.“ Sie freut sich, dass seit ein paar Jahren immer mehr jüngere Leute in den Laden kommen. Die Lebkuchen gab es auch schon vor ihrer Zeit in dem Geschäft. „Ich habe 1991 die Eisdiele übernommen, und schon damals wurde das Geschäft ab Oktober für den Lebkuchenverkauf genutzt.“ Dafür musste sie sich neu bewerben, und seitdem setzen Sprinks die Tradition fort. „Ende September schließt die Eisdiele, am 4. Oktober kommen zwei Dekorateure und richten Fenster und Reklame für die Lebkuchen ein, Ende Januar wird alles wieder abgeholt.“

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