Einsichten – die christliche Kolumne

Was soll ich tun?

Über Glauben und Unsicherheit schreibt Markus Holmer. Er ist Gemeindepastor in Lübtheen in Mecklenburg.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“ aus Markus 10, 17-27

„Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ Wer kennt nicht dieses einfache Kindergebet? Ob es uns zu einfach ist, um es kindlich zu beten? Dabei geht es nicht um die Formulierung, sondern um die Tatsache unserer Bedürftigkeit: Uns fehlt etwas. Etwas, was wir nur geschenkt bekommen können. 

So viele hatten einst gedacht, der Sozialismus sei der Weg, auf dem wir selbst den Himmel schaffen könnten. Vor 28 Jahren platzte der Traum. Wir haben die Freiheit gewonnen und die deutsche Einheit. Es gab neue Träume. Man spricht nicht unbedingt mehr vom „Himmel auf Erden“. Schon vorsichtshalber. Es genügt, wenn wir Arbeit haben und ein „bisschen Wohlstand“. Dann sind wir zufrieden – sogar so zufrieden, dass der Gedanke an den Himmel in weite Ferne rückt. 

Wie gut, dass der Mann, der zu Jesus kam, nicht mit dem zufrieden war, was er hatte. Er lebte in dem Wissen, dass ihm Entscheidendes fehlt, dass er den Himmel braucht, ja, dass das jetzige Leben vor allem dazu dient, in den Himmel zu kommen. Auch dieser Gedanke kommt heute kaum noch vor. Interessant, dass Jesus ihn nicht beruhigt: „Du bist gut unterwegs. Ja, du hast Chancen, in den Himmel zu kommen. Mach weiter so.“ Frommes Leben, Einhalten der Gebote – das führt nicht weiter. Denn „das alles habe ich schon erfüllt“, sagt der junge Mann. Jesus stellt das nicht in Frage. Es war schließlich ernst gemeint. Und doch hat seine fromme Leistung ihm die Zweifel nicht genommen. 

„Fromm genug bin ich doch“, sagen Leute auch zu mir, und: „Wenn es überhaupt einen Himmel gibt, wer sollte dann hineinkommen, wenn nicht ich?“ Das ist kein Zweifel mehr oder Fragen. Das ist selbstsicherer Glaube. Das ist wie die Rechnung ohne Wirt.

Jesus sagt: Der Weg in den Himmel geht über die Nachfolge. Wenn du das ernst nehmen willst, dann musst du loslassen: „Geh hin und verkaufe alles.“ 

Ich frage mich: Woran hänge ich? Was hält mich davon ab, Jesus wirklich nachzufolgen? So möchte ich gerne zweifeln und doch fröhlich glauben.

Unser Autor
Markus Holmer
ist Gemeindepastor in Lübtheen, Südwestmecklenburg.

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