Einsichten – die christliche Kolumne

Offene Arme

Über Gottes Herrlichkeit schreibt Roland Springborn. Er ist Pastor i.R. in Greifswald.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich, dass ich der Herr bin“ aus Jeremia 9,23

An jedem Tag, am Sonnabend besonders, werde ich geradezu überflutet von Werbung. Meistens landet sie gleich in der Papiertonne. Denn es ist eigentlich immer dasselbe, egal zu welchen Zeiten und zu welchem Anlass, ob bei einer Wahl, bei Werbung, beim Sport, in der Kunst oder sonst wo: Jeder wirft sich in die Brust und betont, wie wichtig er ist, wie geradezu unersetzlich, wie nur er oder sie allein andere glücklich machen kann. Der andere ist nichts. 

Ohne Frage: Weisheit, Stärke, Reichtum, wie sie hier als Wort Gottes vom Propheten Jeremia aufgezählt werden, sind schöne Dinge. Wohl dem, der sie hat. Freuen wir uns mit ihm. Aber wo sie zu Eigenlob und Eigenruhm verkommen, stinken sie zum Himmel. Und Gestank ist im Himmel genauso unerträglich wie auf Erden. 

Was hilft dagegen? 

Gott lässt durch seinen Propheten Jeremia seinem Volk damals und uns heute ein wichtiges Wort sagen: Sondern! Sondern – das ist ein Perspektivwechsel, eine andere Sichtweise auf die Dinge des Lebens und auf mich selbst. Der sich selbst Rühmende will selber Herr sein. Er ist selbstherrlich. Gottes „sondern“ aber sagt: Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass ich der Herr bin. Also nicht selbstherrlich, sondern Gottherrlich. 

Gottes Herrlichkeit ist erkennbar an seiner Barmherzigkeit. Das sind die offenen Arme, in die ich mich vor Glück wie vor Schmerz getrost fallen lassen kann. Gottes Herrlichkeit ist auch erkennbar an Recht und Gerechtigkeit dem gegenüber, der sein Leben eigentlich verwirkt hat, also bei mir.  

Mit dieser seiner Herrlichkeit geht Gott aber nicht hausieren. Er geht mit ihr  – und ich weiß, dass das jetzt ein sehr großer Schritt ist – ans Kreuz. Und mit dem Kreuz ist kein Staat zu machen. Dennoch ist es viel später für den Apostel Paulus der einzige Grund zum Rühmen, wenn er an die Christen in Galatien schreibt: Es sei fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus.

Unser Autor
Roland Springborn
ist Pastor i.R. in Greifswald

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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