Einsichten – die christliche Kolumne

Einfach mal für sich sorgen

Über "Kinder des Lichts" schreibt Johannes Ahrens. Er ist Stadtpastor in Flensburg.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts“ aus Lukas 16, 8

Eines der eher unkorrekten Gleichnisse, finden Sie nicht auch? Jesus lobt ausdrücklich, was doch nur zu kritisieren sein kann: Angesichts seiner drohenden Entlassung frisiert der Verwalter eines Gläubigers Schuldscheine zugunsten der Schuldner. „Zu schön, um wahr zu sein“, werden die gedacht haben. Zu Recht, denn die unorthodoxe Umschuldungsaktion zwingt die Nutznießer bloß unversehens in eine neue Schuldenfalle. Dieses Mal in die moralische. Künftig werden sie sich dem Verwalter verpflichtet fühlen. „Fehlende soziale Sicherungssysteme begünstigen Korruption“, rufen da jetzt einige. Und schieben nach, wie unverzichtbar Arbeitsgerichte, überhaupt der Rechtsstaat, sind. Klar. Ist auch so. Denn möglicherweise handelt es sich gar nicht um einen ungerechten, sondern nur um einen ungerechtfertigt beschuldigten Verwalter.

Wie auch immer: So viel Chuzpe hätte ich auch manchmal gern. Wurde den „Kindern des Lichts“ seit Kindergottesdienstzeiten nicht gänzlich anderes eingeimpft? Selbstverleugnung statt Selbstverwirklichung – möglichst bis zur Selbstaufgabe? Dabei spüre ich hinter manchem vorgeblichen Altruismus in der Helfersyndromszene oft genug unausgelebte Aggressionen. Und die Machtspielchen beflissener Fleißbienchen nerven beträchtlich. 

Diesen Sonntag setzt Jesus alle Berufssamariter auf Geltungssuchtentzug. Stattdessen: Mal für sich sorgen. Es ist ganz im Sinne des Heilandes, den eigenen Arsch zu retten. Pause machen. Sport treiben. Das Gebet üben. Oder alles zugleich. Gott sei Dank wird das zunehmend im Raum der Kirche wieder­entdeckt. Von den „Kindern dieser Welt“ haben wir bereits manches gelernt. Vieles können wir seither richtig gut. Anderes können wir noch richtig gut lernen. Etwa die Bereitschaft, sich auf’s Spiel zu setzen. Oder unbekümmerten Pragmatismus. Überhaupt Unbekümmertheit: Wie wäre es, die Kinder der so unterschiedlichen Welten nicht allein zu lassen unter ihresgleichen, sondern sie einzuladen zum munteren gegenseitigen Abgucken, um von der Klugheit der jeweils anderen zu profitieren?

Unser Autor
Johannes Ahrens
ist Stadtpastor in Flensburg.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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