Einsichten – die christliche Kolumne

Christen geben gern

Von Kindern, die heimlich spenden, schreibt Katrin Krüger. Sie ist Pastorin in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.“ aus Markus 12, 41-44

Bei einem Geburtstagsbesuch erklärte mit der Jubilar, was das Problem der heutigen jungen Gottesdienstbesucher und der Kirche sei: Die Kirche habe jetzt Probleme mit dem Geld, weil die jungen Leute nicht mehr so viel Kollekte gäben. Ich musste mir ganz schön auf die Zunge beißen und stellte höflich fest, dass ich den Jubilar noch nie in einem Gottesdienst gesehen hätte, wie er also zu dieser Annahme käme. Doch ich wartete nicht erst ab, dass er ins Stottern käme, sondern erzählte ihm von der Freigiebigkeit der Gottesdienstfeiernden aus meiner Erfahrung.

Für uns als Gemeinde war es zum Beispiel kein Problem, für sieben erwachsene Menschen ein Kirchenasyl zu finanzieren. Zurzeit beherbergen wir wieder eine Familie. Das Spendenaufkommen ist gleichmäßig hoch, wofür die Gemeinde sehr dankbar ist. Vielleicht möge der Jubilar sich bei Gelegenheit selbst davon überzeugen, lade ich ihn freundlich ein, doch wieder einmal in den Gottesdienst zu kommen. Noch haben wir uns dort nicht getroffen.

Dafür war ich mit Kindern unserer Christenlehregruppe zum Sternsingen unterwegs. Als wir an Jules Haus vorbeiziehen, will sie unbedingt zum Haus gehen. Ich bremse sie, doch ihre Schwester weiß Bescheid: „Jule will doch nur ihr Busgeld aus der Schulmappe holen. Das möchte sie für die Kinder in Kenia spenden. Hoffentlich ist Mama nicht sauer darüber, dass das Portemonnaie jetzt leer ist.“ Ich bin baff über Jule. „Eure Mama wird dafür Verständnis haben und bestimmt nicht schimpfen“, sage ich gerührt, und dann ziehen wir fröhlich weiter.

Wenn wir abgeben, dann bleibt meist noch mehr als genug für uns selbst. Wem würden wir wirklich unser letztes Hemd geben? Wofür würden wir alles in die Schale werfen, was unser Leben ausmacht? Jesus stellt die arme Witwe in den Vordergrund, weil ihm ihre Liebe zu Gott und ihre Selbstlosigkeit aufgefallen sind. Wäre das selbstverständlich, hätte er seine Jünger nicht extra zu sich herangerufen, um sie darauf aufmerksam zu machen.

Unsere Autorin
Katrin Krüger
ist Pastorin in Wusterhusen östlich von Greifswald.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

Einsichten – die christliche Kolumne aus den vorherigen Wochen

Einsichten

Über große und kleine Wunder schreibt Ariane Baier. Sie ist Dompredigerin in Schwerin.

Einsichten

Wie verschieden die Menschen ihren Gott sehen, darüber schreibt Pastor Tilman Baier. Er ist Chefredakteur der Kirchenzeitung in Schwerin.

Einsichten

Über die Heiligkeit von Kirchenräumen schreibt Johann Riedel. Er ist Pastor in Gülzowshof in Mecklenburg-Vorpommern.